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SEKTION:
Transkulturelle Stereotype in Kunst- und Literaturwerken
Leitung der Sektion/Anmeldung von Referaten bei:
Email: Tamara Fessenko (Tambov/Russland)
ABSTRACT: Die Kultur ist kein isoliertes Phänomen, das seine eigentliche unabhängige Geschichte hat: sie ist solange vorhanden wie der Mensch und muss sich auch nach ihren Gesetzmäßigkeiten entwickeln.
Von den detaillierten kulturfunktionellen und -geschichtlichen Untersuchungen ausgehend (Lotmann 1970, Koch 1986, Posner 1989, Fleischer 1989 u.a.) haben wir in dem vorliegenden Beitrag vor, den Blick auf ein bisher kaum gründlich erforschtes Thema der verbindenden Funktion der Kultur in der menschlichen Gemeinschaft zu richten, und die Kultur nicht isoliert, sondern im Verbund mit Kunst, Sprache und Literatur zu untersuchen.
Die Kultur soll als Orientierungssystem definiert werden, an dem die menschlichen Gemeinschaften als Ganzes ihr Handeln ausrichten.
Die Kultur ist ein Zeichensystem: die kulturellen Phänomene als einzelne Zeichen entstehen und funktionieren im bestimmten Sozium. Soziale Systeme als Umwelt für Kultur bestimmen ihr Funktionieren.
Die Kulturzeichen werden mittels der Sozialisierung ins menschliche Bewusstsein eingegliedert, das seinerseits nur dann die Tätigkeit der Menschen steuern kann, wenn es modellhafte Bilder der soziokulturellen Umwelt enthält. Solche Modellbildung wird durch symbolische Mittel realisiert, z.B. durch Rituale, Verhaltensformen, Sprache usw., deren Bedeutung die Angehörigen einer Kultur beherrschen sollen. Dieses Repertoire an Symbolbedeutungen ist veränderlich und soll der gesamten Lebenspraxis und dem Sozialsystem angepasst werden.
Das Sozialsystem ist die Grundlage jeder Kultur, ihre Basis. Man kann sagen, dass das soziale System der Produzent und der Träger der Kultur ist. Deswegen finden die Veränderungen im sozialen System ihren Ausdruck in der Kultur. Die Kultur wirkt auf die soziale Umwelt zurück und kann als Bereich zeichenhafter Phänomene ihre Entwicklung mitsteuern. Zwischen diesen beiden Systembereichen gibt es also vielseitige Wechselwirkungen.
Denselben Zeichencharakter besitzen auch die Kunstwerke (darunter auch die Literatur), aber mit einer anderen Funktion. Zwischen Kultur, Kunst und Literatur existieren nicht hierarchische, sondern vernetzte Relationen. Wenn das Sozialsystem für die Kultur ihre Umwelt ist, so dient die Kultur für die Kunst als ihre Umwelt, und die Kunst ihrerseits - für die Literatur.
Die Literatur erscheint auch als Zeichenphänomen und verknüpft die Zeichen durch ihre Bedeutungen und Interpretanten zu vernetzten Werken. Die Elemente der literarischen Umwelt tauchen in den Literatur - Texten als Wörter - auf, die wiederum zum Zeichensystem der Ethnosprache gehören. Die Kunst und Literatur (so wie die Kultur) resultieren einerseits aus den sozialen Systemen, die sie produzieren; andererseits üben sie in vielen Rückkoppelungen als entwickelte Zeichensysteme ihrerseits ihren Einfluss auf den Zustand dieser Sozio - Systeme aus.
Alle Zeichen werden zu kommunikativen Zwecken hergestellt und bilden Nachrichten, die als vernetzter, hierarchischer Zeichenmechanismus funktioniert - sowohl im Bereich der Kultur, als auch im Kunst- und Literaturbereich.
Daraus folgt, dass die Kultur als Gesamtheit der Zeichensysteme erscheint, in der alle kodierten Nachrichten und Traditionen integriert sind.
Die Inhalte der Traditionen können gespeichert und abrufbar sein und werden in erster Linie durch kulturelle Stereotypen repräsentiert. Von W. Lippmann (1922) wurde der Stereotyp-Begriff erstmalig als Bezeichnung kulturell geprägter Einstellungen oder Überzeugungen eingeführt, die die Wahrnehmungs- und Verhaltensformen der Kulturträger strukturieren.
Lippmann bezog diesen Stereotyp-Begriff auf die Gesamtheit konstanter Einstellungen und Wertungen einer Kultur. In späteren Untersuchungen wurde dieser Begriff auf die Interaktionsphänomene verschiedener ethnokultureller und sozialer Gruppen bezogen . Dabei wurden von Stereotypen eine Orientierungsfunktion, eine adaptative und sozialintegrative Funktion, auch eine utilitaristische Funktion festgestellt. Die Stereotypen werden in der Enkulturation (Sozialisation) vorgefertigt übernommen.
Aus zeichentheoretischer Sicht liegt in diesem Fall die Prägung durch Zeichen vor, die individuenextern gesteuert ist. Im Unterschied zur Kategorisierung werden die Stereotype hauptsächlich durch kulturelle Vermittlung von Zeichen erlernt, wenn die Kategorienbildung an persönliche Erfahrungen und Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit gekoppelt sind.
Die Stereotypen werden sowohl durch verbale Zeichen, als auch durch Zeichen der Kunst und Literatur repräsentiert.
Unerforscht bleiben transkulturelle Stereotype, die von uns als Modelle verstanden werden, die sich auf die Verallgemeinerung von transkulturellen Wahrnehmungs- und Vorstellungsformen beziehen. Das transkulturelle Stereotyp wird als über das im Bewusstsein verschiedener sprachkulturellen Gemeinschaften verankerte Modell der "Transkulturalität" ausgedrückt.
In dem Beitrag wird ein enger Zusammenhang von transkulturellen Stereotypen als kognitivem Aspekt und ihren Repräsentationsmöglichkeiten durch Kunst- und Literaturwerke herausgestellt.
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