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Das Verbindende der Kulturen

SEKTION:

Transnationale Bestrebungen und Widersprüche in Asien

Leitung der Sektion/Anmeldung von Referaten bei:
Email: Naoji Kimura (Tokio/Regensburg)

ABSTRACT: Als man davon sprach, ex oriente lux, dachte man nur an das Morgenland im Gegensatz zum Abendland. Mit der Erweiterung des stets vom Westen aus gesehenen Weltbildes kam nach dem Vorderen Orient allmählich auch der Mittlere Orient in den Gesichtskreis der Europäer. Aus diesem Nahen und Mittleren Osten blieb jedoch der Ferne Osten bis heute ausgeschlossen. Wenn also in einer kulturwissenschaftlichen Fragestellung vom Fernen Osten die Rede ist, muß man eigentlich von Ostasien sprechen. Das Trennende lag dabei im Grunde genommen in der unterschiedlichen Religiosität, zog doch die Christenheit trotz aller inneren Spaltungen mit allen Mitteln eine strikte Grenze gegen alles Heidnische im Osten, also Mohammedanismus, Hinduismus, Buddhismus oder was es sonst noch heißen mag. Die Jesuiten haben zumindest vom Taoismus und Konfuzianismus die wichtigsten Schriften in lateinischer Übersetzung den Europäern zugänglich gemacht. Da die Religionen wesentlich durch die Sprache überliefert werden und jeweils eine eigentümliche Kultur hervorbringen, ergeben sich allerdings aus dem Trennenden der Religionen vielfach kulturelle Komplikationen von größter Tragweite.

In dieser grundlegenden Situation befindet sich Japan in einer zwiespältigen Lage, die geopolitisch und religionsgeschichtlich bedingt ist. Als ein Land, das in dem fernsten Fernen Osten liegt, war das Inselreich historisch mit der führenden chinesischen Kulturtradition eng verbunden, zumal auch der Buddhismus nach Japan in chinesischer Übersetzung überliefert wurde. Aber als es aus einer "Sakoku" genannten 200jährigen Landesabschließung während der Edo-Zeit ausbrach und sich seit der Meiji-Restauration im Jahre 1868 zusehends modernisierte, hat es sich über die USA dem Westen angeschlossen und erweist sich längst als der Ferne Westen mit dessen Zivilisation.

So begann Japan quasi als eine der Westmächte schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, sein Reich mit militärischen Mitteln in Ostasien aufzubauen. Nationalismus, Imperialismus und Kolonialismus gingen dabei Hand in Hand - so wie in Europa. Aber angeblich wollte Japan schon damals eine Art Asiatische Union errichten, indem es von einem ostasiatischen Kuturkreis unter seiner Hegemonie sprach. Dieser Versuch führte freilich in den Interessenkonflikt mit den westlichen Kolonialmächten, die bereits Ostasien kolonisiert hatten, und endete mit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Aus den verhängnisvollen Folgen davon konnte Japan sich selbst relativ schnell wiederherstellen, indem es sich in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht zu einem der modernsten Länder entwickelt hat.

Aber aus geistesgeschichtlichen Gründen ist eine Vergangenheitsbewältigung im politischen und kulturellen Bereich von seiten Japans noch nicht ausreichend erfolgt, so daß die ostasiatischen Länder bzw. Nationen einem erneuten Versuch, über Asien hinaus eine Asiatische Union in Analogie zur EU ins Leben zu rufen, skeptisch gegenüberstehen, solange Japan mit seiner Wirtschaftsmacht darin eine führende Rolle spielt. Früher was es eine Ideologie, die transnationale Bestrebungen in Ostasien leitete. Heutzutage macht die Technik eine Transkulturalität ebenfalls in Ostasien notwendig und verbreitet eine Subkultur. In Ostasien bleiben jedoch uralte Religionen noch lange lebendig, die mit widersprüchlichen nationalen und ethnischen Problemen behaftet sind.

DAS VERBINDENDE DER KULTUREN