Das Verbindende der Kulturen

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Rußland lernte ich zuerst bei Dostojewski kennen. Literatur als imaginäre Landeskunde.

Olga Kortschigo (Leo-Tolstoi-Universität, Tula)
Bedeutung der Literatur für die Landeskunde

Das Referat stellt theoretische Überlegungen und methodische Ideen für einen literaturbezogenen landeskundlichen Unterricht vor. Es stützt sich inhaltlich auf Verhältnisse und Belange russischer Hochschulen und Fakultäten für Fremdsprachen. Unser Ziel ist, die Möglichkeiten der schöngeistigen Literatur im Lehrfach Landeskunde zu erörtern und Vorschläge anzubieten. Als Stoff für unsere Untersuchung dienen die Werke der österreichischen Schriftsteller aus verschiedenen Epochen sowie die "traditionellen" landeskundlichen Informationen über die Republik Österreich.

Folgende Thesen sind bestimmend:

  • a) Die Landeskundetheorie wird hauptsächlich aus drei Quellen gespeist: der geographischen, der historisch-politischen und der Sprachlandeskunde. Für die Erarbeitung der Länderbilder schlagen wird ein neues Modell vor, in dem das bisher übliche Landeskundeschema durch die vierte Komponente vervollkommnet wird, und zwar die literarische.
  • b) Die Literaturwissenschaft ist ihrerseits ohne Landeskunde nicht denkbar: die Vermittlung von grammatischen Kenntnissen und Wortschatz, die als Mittel zur Interpretation der Werke der schönen Literatur zu verstehen sind, kann allein den Wert eines künstlerischen Textes nicht offenbaren.
  • c) Obwohl zwischen Linguolandeskunde und der literarischen Landeskunde viele Berührungspunkte und Gemeinsamkeiten bestehen, muss zwischen beiden unterschieden werden. Während die Sprachlandeskunde in erster Linie mit isolierten lexikographischen Sprachinhalten zu tun hat, sind die Werke schöngeistiger Literatur diskursive Informationsquellen.
  • d) Durch das Einbeziehen der Literatur in die Landeskunde bekommen Studierende nicht nur fertig "gekaute" Informationen über das Land, sondern haben die Möglichkeit, auch regionale sprachliche Besonderheiten zu erschließen, Kontexte zu rekonstruieren, kulturbedingte Implikationen oder Anspielungen zu verstehen, subjektive Wahrnehmungen des Autors zu dekodieren etc.
  • e) Der literaturbezogene landeskundliche Unterricht bestätigt andererseits erworbene landeskundliche Kenntnisse, indem Entstehung und Inhalt eines künstlerischen Werkes aus seinem politischen und geographischen Umfeld und seinen historischen Bedingungen erklärt wird. Bestätigung zu finden ist in diesem Fall ein schöpferischer Akt der Anwendung landeskundlichen Wissens.
  • Nach der Erörterung dieser Thesen werden konkrete Arbeitsformen für die literarische Landeskunde vorgestellt und besprochen. Zum Schluss fassen wir die angeführten Überlegungen zusammen und zeichnen die notwendigen Schritte für weitere theoretische Fundierung des Lehraspektes "Literarische Landeskunde" auf.

    DAS VERBINDENDE DER KULTUREN