Das Verbindende der Kulturen

SEKTION:

Literatur versus Nation bei deutschsprachigen Künstlern des XIX. und XX. Jahrhunderts

Karin Spiller (Università degli studi di Catania)
Zwischen Europa und Deutschland: Der Fall Klaus Mann

An zweifacher Front kämpfte Klaus Mann, wohl eine der tragischsten Figuren der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, um die eigene Identität. In erster Linie hat der junge Klaus, der nur wenig von der politischen Verpflichtung des Literaten hielt, gegen das "problematische Glück" anzukämpfen, als Sohn des großen Thomas leben zu müssen und somit keine unvoreingenommenen Leser für seine Veröffentlichungen zu finden. Alles was er schrieb, wurde instinktiv mit dem Werk des Vaters in Zusammenhang gebracht, und die "bitterste Problematik" seines Lebens blieb die Anerkennung seines literarischen Schaffens durch den Vater, die erst mit dem Wendepunkt erzielt wird. Bis 1933 glaubte Klaus tatsächlich, dass sich das "Politische gleichsam mit der linken Hand erledigen" ließe. Wie viele andere weigerte er sich zunächst zuzugeben, dass eine "Bande von Abenteurern und Fanatikern dazu imstande sein sollte, den gesamten Bestand abendländischer Werte und Traditionen in Frage zu stellen". Und dennoch werden schon im Jahre 1931 im Hause Mann ernsthafte Gespräche über die Notwendigkeit, Deutschland zu verlassen, geführt. Klaus verstand die Deutschen nicht mehr, plötzlich fühlte er, der so "innig beheimatet in der Sphäre europäisch-universalen Deutschtums" war, sich als Fremder in der eigenen Heimat.

Die Familie Mann wurde den Nazis ein Dorn im Auge, allen voran natürlich Heinrich, der ihre Machenschaften längst durchschaut hatte und zur Volksfront aufrief, aber in zunehmenden Maße auch Klaus und Erika, die in Vorträgen, Artikeln und im politischen Kabarett "Die Pfeffermühle" ihre Haltung nicht mehr verheimlichten. Das Exil seit 1933 hat Klaus Manns Entwicklung entscheidend beeinflusst. Verantwortungsbewusst und entschlossen setzt er sich mit allen Kräften für die Gründung der Exilzeitschrift "Die Sammlung" ein, einer literarischen Zeitschrift europäischen Charakters, die Sprachrohr aller ins Ausland verbannten deutschen Schriftsteller werden sollte, wobei er sogar Gefahr lief, seinen Vater ernstlich zu schädigen. Höchste Anforderungen an sich stellend, kämpfte er nicht nur mit der Feder gegen den Faschismus in Europa, sondern trat nach Verleihung der amerikanischen Staatsbürgerschaft als Freiwilliger in die US-Army ein und erlebte das Kriegsende in Europa.

Innerlich blieb er dabei immer ein Deutscher und Europäer, der durchaus bereit war, seine Aufgabe auch in der Nachkriegszeit zu erfüllen. Zu seiner großen Enttäuschung verschloss sich ihm diese Zeit. Anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und autobiografischen Schriften soll ein Bild des "deutschen Europäers" Klaus Mann vorgestellt werden, der in seinem konfliktreichen Leben nur teilweise sich selbst fand, jedoch die Notwendigkeit eines kulturellen Zusammenschlusses Europas vorausahnte.

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