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WORKSHOP:
Anschauungen, Denkformen, Tradierungen und Kulturprozesse
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Europäische Großtädte versus "Provinzstadt" Pestin Max Nordaus Feuilletons
Hedvig Ujvári (Budapest)
Max Nordau (1849-1923), tätig als Arzt, Journalist und kulturkritischer Essayist, zum zweitbedeutendsten Zionisten neben Theodor Herzl aufgestiegen, mit 34 Jahren über Nacht durch seine Die conventionellen Lügen der Kulturmenschheit berühmt geworden, prägte dann ein Jahrzehnt später mit seiner Entartung endgültig die Geistes- und Begriffsgeschichte des Fin de siècle. Bis zum Ersten Weltkrieg belieferte er zahlreiche europäische und nordamerikanische Zeitungen mit Feuilletons, war u.a. 35 Jahre lang für die Vossische Zeitung tätig. Seine Werke sind in 17 Sprachen zugänglich, sein Bestseller erlebte u.a. in England sieben Auflagen in vier Monaten.
Nordau, 1849 in Pest in einer orthodoxen jüdischen Familie geboren, errang seine literarischen Erfolge nach seiner endgültigen Übersiedlung nach Paris. Obwohl es übertrieben wäre, von einer Nordau-Forschung zu sprechen, sind die erträgnisreichen Jahre nach 1880, die überhaupt in einschlägigen Studien behandelt werden. Seine ersten dreißig Jahre werden in sämtlichen Lexika mit dem Geburtsort- und datum, Medizinstudium sowie - wenn überhaupt - mit der Tätigkeit beim Pester Lloyd abgetan. Neben dem Pester Lloyd konnten in einem weiteren Organ, im Neuen Pester Journal, zahlreiche Beiträge von Nordau gesichtet werden. Insgesamt handelt es sich beim Gesamtertrag um ca. 330 Feuilletons, die zwischen Nordaus 18. und 29. Lebensjahr entstanden sind.
Die Feuilletons richten sich nach den Stationen von Nordaus Wirken: Sie lassen sich in vier größere Einheiten - Anfänge, Wien, Europa-Reise, Paris - unterteilen. Der Vergleich der Zeitungs- und Buchvarianten sollten Nordaus verschiedene Intentionen widerspiegeln, denn als Feuilletonist war er lediglich bestrebt, nur das Gesichtete festzuhalten, wobei er als Feuilletonist im Gefolge eines regierungsnahen Organs wohl oder übel auch andere Aufgaben wahrnehmen musste. Er war stets bemüht, sein Janus-Gesicht zu tarnen, denn vom Pester Lloyd ließ er sich teuer für seine journalistischen Verdienste bezahlen, dabei drehten sich seine Gedanken permanent darum, von der verachteten "Provinzstadt" und vom "Provinzblatt" loszukommen.
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