Trans Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften 10. Nr. September 2002

Wissen, Welttransformationen, Kulturwissenschaften

Herbert Arlt (Wien)
[BIO]

 

Die Reflexion der Arbeit in kulturwissenschaftlichen Netzwerken verlangt, daß auch über die gesellschaftlichen Kontexte nachgedacht wird, in denen diese Arbeit stattfindet und die nur zum Teil Gegenstand kulturwissenschaftlicher Reflexionen sind.(1) In diesem Zusammenhang werde ich versuchen, Wissen zu analysieren. Und als wesentliche gesellschaftliche Kontexte werden sowohl die neuen (potentiellen) gesellschaftlichen Bedeutungen von Wissen als auch die "Globalisierungen" angesehen.(2)

Der Hintergrund dafür ist, daß aus unterschiedlichen Perspektiven seit einigen Jahren erkannt wird, daß Wissen in heutigen gesellschaftlichen Prozessen einen Stellenwert einnimmt, der größer ist als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.(3) Und insbesondere durch das Internet kommt dem Bemühen um Wissen und Wissensorganisation eine Weltgeltung zu, auch wenn das oft nicht so zu sein scheint, weil Wissen mit "Bildungswissen" verwechselt wird und für manche Ansätze auch die Infrastruktur noch weitgehend fehlt.(4)

Dieser Beitrag konzentriert sich in einem fast unübersehbaren Feld auf die Momente Wissensgewinnung, Wissensvermittlung, die Bedeutung der Konstruktionen, auf den Zusammenhang Wert und Wissen sowie heutige strukturelle Anforderungen, die sowohl technischer als auch gesellschaftlicher Natur sind und berücksichtigt dabei einige Erfahrungen, die von KulturwissenschafterInnen in heutigen weltweiten Vernetzungsprozessen gemacht wurden.(5)


1. Wissensgewinnung

Von Dietrich Schwanitz stammt das Buch mit dem lustigen Titel: "Bildung. Alles, was man wissen muß".(6) Es ist ein dicker Wälzer, der vielfach aufgelegt wurde und ganz offensichtlich Einfluß auf die Wissens- bzw. Bildungsdiskussion in der Bundesrepublik Deutschland hat. Einen Weg zur Wissensgewinnung im Sinne unserer Fragestellung darf von diesem Buch aber nicht erwarten werden. Vielmehr ist dies ein Buch, das alte Strukturen in neuem Gewande auftreten lässt. Anstatt von Salons ist nun von Parties die Rede).(7) Aus Deutschland ist Europa geworden. (Aber ein Europa, in dem für Schwanitz in Hinblick auf die Bildung immer noch die anderen "Deutschen" vorrangig sind, die sich selber Österreicher, Schweizer, Holländer usw. nennen.(8) Ein Konzept, das in einem anderen, zersplitterten Deutschland im vorletzten Jahrhundert unter ganz anderen Bedingungen "erfolgreich" war, wobei bei der Bewertung des Erfolges meist die Katastrophen ausgeblendet oder zumindest in keinen direkten Zusammenhang gestellt wurden.)(9) Dagegen wird in diesem Beitrag unter Wissen verstanden, daß ein Mensch Einsicht in Prozesse hat und versteht, diese Einsichten (zumindest theoretisch) in geeigneter Weise anzuwenden.(10)

Wissen so verstanden, bedeutet also nicht, im Small Talk zu "überleben" (was bei Schwanitz eine große Rolle zu spielen scheint)(11), es bedeutet auch nicht, Prüfungen zu bestehen(12), sondern es bedeutet die Fähigkeit, sich als Individuum in einer Gesellschaft zu konstituieren.(13)

Die Form dieser Konstituierung als Individuum verläuft sehr unterschiedlich, weil sich die gesellschaftlichen Bedingungen über die Jahrtausende gewandelt haben (womit noch nicht gesagt ist, daß alles Wissen mehr oder weniger nur historisch ist). Es gibt zudem weltweit eine Gleichzeitigkeit der unterschiedlichsten Formen, die alle für sich Vorteile in Anspruch nehmen, aber gegen die alle auch etliche Kritikpunkte eingewandt werden können.(14) Kernelement aller dieser Wissensgewinnungen ist aber, daß eine wesentliche Voraussetzung von Wissensgewinnung eine Wissenstradierung ist (mittels Tönen, Schriften, Bildern, Zeichen, Formeln). Weiters sind wesentlich Institutionen wie Archive, Bibliotheken, Museen, aber auch Personen und Einrichtungen für die Weitergabe von Wissen wie Lehrer und unterschiedlichste Schulen.

Um heutige Prozesse zu verstehen und auf sie so einzuwirken, daß die Welt von einer Welt an sich zu einer Welt für uns wird (was ihre Beherrschung im Sinne von Zerstörung ausschließt), muß möglichst viel Wissen bereits erworben worden sein. Das historische Wissen relativiert sich jedoch, wenn es nicht in Beziehung mit heutigen Prozessen gebracht werden kann. Wissensgewinnung ist daher immer auch ein Akt der Gegenwart, der sich an Möglichkeiten für die Zukunft orientiert. Seine Hauptgegenstände sind Natur und Gesellschaft (society, società usw.) in ihren vielfältigen Erscheinungsformen (die auch Wissen um "Transzendentes" einschließt).

Das Internet hat in diesem Zusammenhang völlig neue Horizonte eröffnet, weil es Zugänge zu potentiellen Wissensquellen schafft, ohne daß (relativ gesehen) große materielle Aufwendungen notwendig sind, wie dies bei Archiven, Museen, Bibliotheken usw. der Fall ist.(15) Der Vorteil besteht in der Vernetzung, wobei durch die Vielzahl der Quellen jener Effekt erreicht wird, der bisher durch Konzentration auf mehr oder weniger gut dotierte Institutionen erreicht werden sollte (aber die Wirkungsmöglichkeit dieser Institutionen war durch die Form der Distributionsmöglichkeit sehr stark beschränkt, weil zum Beispiel zur Nutzung dieser Informationssysteme meist aufwendige Reisen erforderlich waren.


2. Wissensvermittlung

Daraus ergibt sich auch, daß die Möglichkeiten und Realitäten der Wissensvermittlung sich sehr stark gewandelt haben. Wie bei den Medien gilt: nichts ist "verschwunden". So wie es auch heute noch Ton- und Steintafeln gibt, die Aufbewahrung von Informationen und Wissen auf Papier, so spielt nach wie vor die mündliche Überlieferung ebenso eine Rolle wie Bücher, Bilder, Filme.(16) Nach wie vor gilt, daß die Begegnungen das Wichtigste sind, weil Wissen nicht vom Individuum abstrahiert werden kann. Selbst wenn es abstraktes Wissen ist, ist die Wissensaneignung unmittelbar mit anderen Menschen verbunden. Diese Bezogenheit erst macht ihren Wert aus.

Das ist zu unterscheiden zwischen Informationen, Bildung bzw. allen Formen von Quellen und Elementen, auf deren Basis bzw. aus denen Wissen erst entwickelt werden muß.

Unter Verwendung dieses Ansatzes kann auch genau unterschieden werden, ob zum Beispiel durch Namen und Publikationstitel Informationen oder Wissen vermittelt wird.(17) Und im Regelfall wird eine solche Vermittlung eine Informationsvermittlung sein, die erst ihren Stellenwert bekommt, wenn sie durch Methodologie bzw. Theorie zugänglich gemacht wird.(18) Damit erweist sich auch, daß nicht der Umfang einer Quelle (z.B. wie viele Millionen Bücher in einer Bibliothek aufbewahrt werden) von Bedeutung ist, sondern unmittelbar auch der Zugang.(19)

Auch hier zeigen sich die Möglichkeiten des Internet, weil es die Möglichkeit bietet, sich Zugänge zu der unübersehbaren Anzahl von Daten, Fakten, Informationssystemen zu verschaffen. Dazu reicht aber - auch das hat Robert Musil bereits in seinem Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" gezeigt - der bloße Kontakt mit Menschen nicht aus. Und belanglos ist in diesem Fall, ob es sich um persönliche Begegnungen, Gespräche in Salons oder auf Partys, einen Email-Austausch usw. handelt. Die eigentliche Fragestellungen beim Lernen aller Art (Sozialkontakte, Schule usw.) ist, wie divergent die Quellen sind, die genutzt werden, und wie Wissen synthetisiert werden kann. Denn ein Kanon - welcher Art auch immer - bedeutet zunächst einmal eine Festschreibung, dessen strukturelle Nachteile sich auch dann ergeben, wenn sie (vermeintlich) besser erzählt werden.(20)


3. Die Bedeutung der Konstruktionen

Aus diesem Ansatz ergibt sich weiters, daß ein Kernbereich der Wissensgewinnung die Konstruktionen sind, die eine Handlungsfähigkeit erst ermöglichen. Konstruktionen schließen Methodologien ebenso ein wie Abstraktionen unterschiedlicher Art. Umberto Eco hat in seinem Roman "Baudolino" gezeigt, wie "Wissen" konstruiert werden kann und wie selbst Erfindungen, Lügen geschichtsmächtig werden.(21)

Der Roman behandelt aber zugleich auch die Methodologien und Strategien der Konstruktionen und zeigt, daß nicht beliebiges möglich ist. Auch zeigt er, daß die Konstruktionen immer mit realen Prozessen in Wechselwirkung stehen. Dies wird besonders dann deutlich, wenn sie historisiert werden.(22)

Ein entscheidender Punkt ist daher zunächst einmal, zu verstehen, wie Konstruktionen entwickelt werden und welcher Art sie sein könnten oder sollen. Auch hier gibt es eine unübersehbare Menge von Ansätzen und Varianten, die von der Bedeutung der Buchstaben bis zu den Theorien von Nationen und Weltgemeinschaften reichen (und sich als Welttheorien [symbolisch] auch in bloßen Buchstaben ausdrücken können).

Hier gibt es durch die bloße Existenz des Internets keinen neuen Ansatz (wohl aber eine Vielzahl neuer Theorien, die aber in ihrer Qualität oft auch nicht anders sind, als die Begegnungsform Salon in die Begegnungsform Party zu verwandeln)(23). Das Internet wird in diesen Fällen selbst zur Konstruktion. Und es ist auch nicht das erste Mal, daß sich modernste Technologien, die anscheinend auf der Basis modernster Naturwissenschaften entwickelt wurde, sich als Mystik oder Metaphysik erweist und gerade daher auch jegliche Kooperation mit Kulturwissenschaften scheut.(24)


4. Wert und Wissen

Bereits Marx hatte anerkannt, daß Kunst (und ich würde hinzufügen: alle kreative Arbeitsergebnisse) sui generis ist und eigenen Wertgesetzen unterliegt.(25) Der Wert dieser Arbeitsergebnisse ist nicht von der durchschnittlichen Menge der Arbeitszeit, der Aufwendung der Materialien usw. abhängig, sondern entwickelt einen Wert, der eine völlig neue Wertqualität darstellen kann. Zunächst muß aber in diesem Zusammenhang darauf verwiesen werden, daß dies voraussetzt, daß es sich eben nicht um Reproduktionen handelt. Die bloße Zugehörigkeit eines Arbeitsergebnisses zu einem gesellschaftlichen Bereich (Technologieentwicklung, Wissenschaften, Künste) besagt noch nichts über den Wert des Ergebnissen (auch wenn historisch gewachsene Institutionen gerade aus der Zugehörigkeit gerne den Wert entwickelt sehen wollen). Denn mit der Reproduktion wird nicht nur die "Aura"(26) zerstört, sondern die Reproduktion ist einerseits der Ausdruck des Wertes (ob es sich dabei nun um eine technische Neuerung, eine wissenschaftliche Erkenntnis oder ein Kunstwerk handelt), aber das Reproduzierte fällt zugleich unter die allgemeinen Wertgesetze der Warenproduktion. Das hat in gesellschaftlichen Prozessen grundlegende Bedeutung:


4.1. Kultur ist Reproduktion

Das, was in den Geisteswissenschaften unter "Kultur" verstanden wird (und meist auch in den Kulturwissenschaften) ist Reproduktion. Diese Wissenschaften konstruieren mit ihren Epochen usw. die Anschauung einer Wiederholbarkeit. Und für die Wertebildung ist in diesem Zusammenhang völlig gleichgültig, ob es sich dabei um "Geist" oder "Materie" handelt. Alle ihre Regeln (Kommission zur Aufnahme in die jeweiligen Gruppen, Zitierregeln, die die Tradierungen sichern sollen usw.) zielen auf Reproduktion und damit auf die Untergrabung ihres Wertes.

Diese Form des Verständnisses hat eine lange Tradition und spiegelt sich auch in Archiven, Bibliotheken, Museen usw. wieder. Sie sind die Stätten der Reproduktion, in der das Original (das master piece) den eigentlichen Wert darstellt, und dieser als Ausgang für eine ursprüngliche Reproduktion (persönliche Begegnung) oder eine industrielle Reproduktion (Vervielfältigung) verwendet wird.

4.2. Bildung ist Reproduktion

Auch Bildung ist - sofern nicht (ebenso wie bei den Informationssystemen) in sie selbst Innovationen einfließen bzw. aus ihr entstehen- ein System der Reproduktion. Sie ist eine sehr wertvolle Reproduktion, weil es ohne sie keine Basis für die Wissensgewinnung gibt. Aber für das Wissen selbst ist sie erst die Basis. Ebenso wie die Informationssysteme für Künste, Wissenschaften usw. nur eine Basis sind, um damit auch die gewachsene gesellschaftliche Arbeitsteilung und gesellschaftliche Strukturen anzusprechen.


4.3. Wissen ist Kreation

Dagegen ist Wissen Kreation. Die Innovation ist ihr konstitutives Element. Und das meint nicht eine neue Benennung (siehe Schwanitz), sondern es verlangt einen neuen Zugang. Und dieser neue Zugang ist nicht die Party, sondern die neuen Zugänge sind zu Arbeits- und Lebensformen in Natur und Gesellschaften erforderlich. Erst nachdem für diese Bereiche tragfähige Konstruktionen entwickelt wurden, läßt sich überhaupt der Wert einer Bildungsform bestimmen.


4.4. Gesellschaften und Wissen

Die Bedeutung des Wissens ist in einer Sklavenhalter- bzw. einer Bauerngesellschaft eine andere als in einer Industriegesellschaft. Aber alle diese Gesellschaften waren und sind geprägt durch die Reproduktion.(27) Die eigentliche Steigerung des gesellschaftlichen Reichtums wurde dadurch möglich, daß Innovationen diese Reproduktionen effektiver machten. Und immer mehr wurde auch in Bildung in diesem Zusammenhang investiert. Ein geflügeltes Wort wurde auch der Begriff "Big Science".(28) Aber trotz der immensen Ausbildung der Vorstellungssysteme hätte der Begriff "Wissensgesellschaft" im 20. Jahrhundert wenig Sinn gemacht. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts trat eine Situation ein, in der Wissen zu einem entscheidenden Faktor wurde.(29) Aber die Rahmenbedingungen zum eigentlichen Einsatz des Wissens sind durchaus noch nicht geschaffen. Das, was existiert, sind Ansätze, die in klassische Krisen (z.B. Überproduktionskrise) geraten sind.(30)


5. Strukturelle Anforderungen

Was sich daher geändert hat, ist die Bedeutung des Wissens, aber keineswegs die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Das beginnt bei der Bildung und reicht bis zur Struktur der Forschungen. Die Struktur und Kontrolle aller dieser Bereiche ist geprägt durch die Vorstellung, Wissen effektiv zu reproduzieren. Daraus entstehen auch die inhaltlichen Vorstellungen. Und das gilt nicht nur für den Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften (Humanities, Cultural Studies), sondern auch für die Naturwissenschaften, deren Bereiche ähnliche Strukturen aufweisen. Einpassung in Konstrukte (und deren Hierarchien), Anpassung an Denkweisen (Methodologien) sind die Vorgaben. Damit werden aber strukturell Innovationen zumindest behindert, wenn nicht gar verhindert (wozu es eine lange und umfangreiche, aber kaum geschriebene Wissenschaftsgeschichte gibt). Die wesentlichsten Punkte sind in diesem Zusammenhang:

1. Basisbildung

Noch immer kann keineswegs weltweit vorausgesetzt werden, daß ein Zugang zu den Informationssystemen möglich ist, weil weder Schriften noch Bilder nicht oder in einem zu geringen Ausmaß gewußt werden. Und zwar nicht nur in Ländern der sogenannten "Dritten Welt", sondern durchaus auch in Europa.(31)

2. Ermöglichung des Zugangs

Die Ermöglichung des Zugangs reicht von der Schaffung der Voraussetzungen (Infrastrukturen, Archive, Bibliotheken usw., die materielle Voraussetzungen erfordern) bis zu den Zugangsbestimmungen (weltweit gibt es Restriktionen bei der Gewinnung des Wissens).

3. Demokratisierung

Wissen kann sich am besten unter demokratischen Verhältnissen entfalten. Denn nur in einer Demokratie sind Multiperspektivik und Synthese möglich. Auch die Kontrolle funktioniert am besten als öffentliche Kritik und nicht als administrative Maßnahme, die für industrielle Stückzahlen geeignet ist, nicht aber für Wissensgewinnung. Und schon gar nicht geeignet sind Kanons und andere Formen der hierarchisierten Selektion.(32)

4. Umsetzung

Gewonnenes Wissen auch einsetzen zu können, ist ein Teil des demokratischen Aspektes der Wissensproduktion.(33)


6. Schlußfolgerungen

Aus diesen Ausführungen ergibt sich, daß die Kulturwissenschaften potentiell einen strategischen Stellenwert in gesellschaftlichen Prozessen einnehmen könnten, weil mit Hilfe ihres Beitrages gewährleistet werden kann, daß die Wissensgewinnung und Wissensvermittlung jenen Wert haben, der ihnen gesellschaftlich zukommen sollte. Das gilt aber nur, wenn sie sich an die Grundprinzipien halten, auf die Schaffung der Basisstrukturen ebenso drängen wie auf eine umfassende Demokratisierung - kurz sich selbst als Subjekt und nicht nur als Objekt begreifen.

INST und TRANS verstehen sich in dieser Hinsicht als solche Ansätze. Die Kooperation mit der EU und der UNESCO, aber künftig auch mit anderen Organisationen weltweit, wurden und werden in dieser Hinsicht organisiert. Erste Ergebnis dieser Arbeitsweisen werden nun vorgelegt. Nach wie vor aber hängen die Möglichkeiten durchaus immer noch in vielfältiger Weise von den nationalen Bedingungen ab. Durch die virtuelle Welt des Internet hat sich dadurch nichts geändert.


©Herbert Arlt


TRANS        table of contents: No. 10


Fußnoten:

(1) Vgl. über Richtungen kulturwissenschaftlichen Arbeitens und deren Erfassung: Edmund A. van Trotsenburg im WWW: http://www.inst.at/trans/13Nr/trotsenburg13.htm Alle Abfragen vom 4.9.2002.

(2) Zur Globalisierung sind eine Unmenge Bücher erschienen. Gar ein ganzer Schwerpunkt einer Ausstellung mit dem Titel "Bridges for a World Divided" der Frankfurter Buchmesse 2002 ist diesem Thema gewidmet. Grundsätzlich reichen die Definitionen der Globalisierung vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ich beziehe mich hier vor allem auf jene Elemente der Wissensdistribution und Synthetisierung, die durch die neuen Kommunikationsmedien (vom Telegraph bis zum Internet) ermöglicht werden.

(3) Ausdruck dafür ist der Begriff "Wissensgesellschaft", der seit Jahren verwendet wird. Daß dieses "Wissen" aber sehr unterschiedlich verstanden werden kann, zeigt die Struktur der Maßnahmen des österreichischen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Hier wird "Wissen" mit "Bildung" gleichgesetzt.

(4) Die Gleichsetzung von "Wissen" und "Bildung" ist weit verbreitet. Ein Beispiel dafür ist das Buch: Dietrich Schwanitz: Bildung. Alles, was man wissen muß. Goldmann: München 2002. Ein ganz anderes Verständnis wird in folgendem Buch vorgeschlagen: Knowledge for sustainbale Development. An Insight into the Encyclopedia of Life Support Systems. EOLSS Publishers: London 2002. Und zum Projektfortgang dieses UNESCO-Projektes: www.eolss.com

(5) Vgl. dazu: Herbert Arlt, Donald G. Daviau, Gertrude Durusoy, Andrea Rosenauer (Hrsg.): TRANS. Dokumentation eines kulturwissenschaftlichen Polylogversuchs im WWW (1997-2002). Röhrig Universitätsverlag: St. Ingbert 2002.

(6) S. Anm. 4.

(7) Schwanitz, a.a.O., S. 505ff. Und das, obwohl Schwanitz Musil schätzt. Doch sieht man sich dann an, wie Schwanitz Musil wiedergibt, dann versteht man auch, warum er als Ort für den Beweis des Könnens die Partys angibt. Vgl. dazu S.559 ff., wo die komplexe Problematik der Wissensauffindung darauf reduziert wird, daß der General im Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" in der Staatsbibliothek eine Bibliographie der Bibliographien vorgelegt bekommt. Siehe dazu auch Anm. 19.

(8) Vgl. Schwanitz, a.a.O., S.567ff.

(9) Von Schwanitz wird dies unter dem Aspekt "Image-Problem" diskutiert. Vgl. ebd., S.567.

(10) Vgl. zum komplexen Zusammenhang von Kultur, Zivilisation und menschlicher Entwicklung: Herbert Arlt: Culture, Civilisation and Human Society. In: Knowledge, a.a.O.

(11) Vgl. z.B. Schwanitz, a.a.O., 506ff.

(12) Vgl. im WWW: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/pisa/

(13) Das Hauptproblem der PISA-Studie besteht darin, daß ihr keine fundierte Theorie zu kulturellen Prozessen zugrunde liegt. Und dies ist ein Hauptproblem in der europäischen Union überhaupt.

(14) Amartya Sen: Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft. Deutscher Taschenbuch Verlag: München 2002. Vgl. dazu insbesonders den Abschnitt: "Armut als Mangel an Verwirklichungschancen", S.110ff. und den Vergleich China/Indien im Zusammenhang mit Bildung und Marktwirtschaft. Hier sind durchwegs Theorie und empirisches Material aufeinander bezogen.

(15) Immer noch gelten weitgehend die Daten von "Our Creative Diversity, Report of the World Commission on Culture and Development" aus dem Jahre 1995, die vor allem Afrika als benachteiligt zeigen.

(16) Vgl.: Jochen Hörisch: Der Sinn und die Sinne. Eine Geschichte der Medien. Eichborn Verlag: Frankfurt am Main 2001.

(17) Herbert Hrachovec: Wissen auf Abruf. Hürden und Horizonte. In TRANS, a.a.O., S.109ff.

(18) Vgl.: Heinz Hauffe: Kulturwissenschaften, Datenbanken Qualität. In: TRANS, a.a.O., S.63ff.

(19) Vgl.: Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Rowohlt: Hamburg 1974, S.459ff. Bereits die Kapitelüberschrift zeigt den komplexen Zusammenhang: "General Stumm dringt in die Staatsbibliothek ein und sammelt Erfahrungen über Bibliothekare, Bibliotheksdiener und geistige Ordnung".

(20) Schwanitz, a.a.O., S.27, mit großer Geste - ganz im Sinne von General Stumm (s. Anm 7. und 19): "Mythos und Kosmologie lehren uns: Wenn die Entwicklung einen Tiefpunkt erreicht hat, ist es Zeit für eine Umkehr; die längste Nacht ist zugleich auch die Sonnenwende; nach dem Abstieg in die Hölle erfolgt die Auferstehung. Deshalb ist es an der Zeit, die Herrschaft der drei Schwestern zu beenden - der großen Verunsicherung, der großen Unübersichtlichkeit und der großen Beliebigkeit. Zu den mythologischen Gorgonen gehört die Medusa, deren Blick tötet; hält man ihr den Spiegel vor, tötet sie sich selbst. Fangen wir damit an."

(21) Umberto Eco: Baudolino. Carl Hanser Verlag: München, Wien 2001.

(22) Umberto Eco: Die Suche nach der vollkommenen Sprache. Deutscher Taschenbuchverlag: München 2002.

(23) Vgl. dazu die Kritik von Herbert Eisele: The Internet - a Barmecide feast? Im WWW: http://www.inst.at/trans/10Nr/eisele10.htm

(24) Vgl: Ruth und Dieter Groh: Weltbild und Naturaneignung. Zur Kulturgeschichte der Natur. Suhrkamp: Frankfurt am Main 1991.

(25) Vgl. dazu: Marx, Engels, Lenin: Über Kultur, Ästhetik, Literatur. Verlag Philipp Reclam: Leipzig 1975, S.52ff.

(26) Walter Benjamin: Gesammelte Schriften, Bd. 1.2. Hrsg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main 1974, S.431ff.

(27) Amartya Sen begründet theoretisch den Zusammenhang von Freiheit und Entwicklung und zeigt, daß diese beiden gesellschaftlichen Elemente einander bedingen. In: Sen, a.a.O., S.13ff.

(28) Zum Begriff Big Science: Derek J. De Solla Price: Little Science, Big Science and Beyond. Columbia University Press: New York 1963.

(29) Vgl.: Herbert Arlt/Anil Bhatti/Ulf Birbaumer/Andrea Rosenauer: Cultural Studies and Europe. INST: Vienna 1998.

(30) Die Bewertung der "New Economy" nur nach den derzeitigen Börsenergebnissen ist eine Reduktion einer neuen Entwicklung auf die Ergebnisse einiger Firmen, die wie immer in Aufbruchszeiten an den Börsen Unkorrektheiten begangen haben. Damit ist noch nichts über die Möglichkeiten der Wertschöpfung ausgesagt. Möglichkeiten der neuen Wertschöpfung zeigten sich weltweit. Um zwei Beispiele herauszugreifen: in den USA profitierten jene Firmen, die sich mit einer neuen Kulturstrategie durchsetzen und den PC bzw. dann das Internet für alle Lebensbereiche propagierten. In Indien zeigte sich, daß im Gegensatz zur industriellen Revolution, während der erhebliche Kapitalien erforderlich waren, mit geringen Mittel große Möglichkeiten eröffnet wurden. Das Problem war, daß für eine Breitenumsetzung (und damit ein Vergesellschaftlichung) die Bildung der breiten Massen fehlte.

(31) Vgl.: Gitta Stagl, Johann Dvorak, Manfred Jochum (Hrsg.): Literatur, Lektüre, Literarität. Vom Umgang mit Lesen und Schreiben. ÖBV - Büro Medienverbund: Wien 1991.

(32) Vgl. dazu Robert Musil. S. Anm. 7, 19, 20.

(33) Vgl. dazu Sen, a.a.O., S.139ff.


For quotation purposes - Zitierempfehlung:
Herbert Arlt: Wissen, Welttransformationen, Kulturwissenschaften.
In: TRANS. Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften. No. 10/2002.
WWW: http://www.inst.at/trans/10Nr/arlt10.htm.

TRANS     Webmeister: Gerald Mach      last change: 04.09.2002