Rania Elwardy — Sektionsbericht

Nr. 18    Juni 2011 TRANS: Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften


Section | Sektion: Denkmodelle zur Bewältigung der modernen Krise – Der erste Schritt
auf dem Weg zur Überwindung der heutigen Krise | Models of Thought for overcoming the modern crisis – The first step on the way of surmounting the modern crisis

Sektionsbericht

Denkmodelle zur Bewältigung der modernen Krise
Der erste Schritt auf dem Weg zur Überwindung der heutigen Krise

Sektionsleiterin: Rania Elwardy (Ain Schams Universität, Kairo, Ägypten) [BIO]

Email: raniaelwardy@yahoo.com


 Konferenzdokumentation |  Conference publication


 

Diese virtuelle Sektion setzte sich das Ziel, die Denkmodelle aus den verschiedenen Bereichen der Wissenschaft zu sammeln, die einen Beitrag zur Bewältigung der heutigen Krise leisten könnten, die der Krise in den zwanziger Jahren mit ihren drei Aspekten (Entfremdungskrise, Armut und dem Krieg) zum großen Teil ähnelt.

Diese virtuelle Sektion enthält fünf Aufsätze, deren Schwerpunkte sich auf die Darstellung der Denkmodelle in den verschiedenen Wissenschaftsbereichen konzentrieren, die eine Rolle bei der Überwindung der heutigen Krise mit ihren drei Aspekten (Entfremdung, Armut und Krieg) spielen können.

Rania Elwardy (Dozentin an Ain Shams Universität, Ägypten) bot in ihrem Aufsatz, der die Sektion eröffnet, einen Überblick über den Beitrag des Wandlungskonzeptes in der expressionistischen Dramatik zur Bewältigung der hochkomplizierten Krise zur Zeit der Moderne mit ihren drei Aspekten (Entfremdung, Armut und Krieg) an. Diese Tatsache, zu der Elwardy durch eine textimmanente Analyse von elf expressionistischen Dramen kommt, lässt sie den Gesichtspunkt vertreten, dass dieses Konzept auch eine große Rolle bei der Bewältigung der heutigen Krise spielen kann, die der Krise zur Zeit des Expressionismus zum großen Teil ähnelt. Elwardy erklärt in ihrem Aufsatz, dass die Expressionisten mit diesem Konzept einerseits die Befreiung von der bürgerlichen Mentalität bezeichnen, was durch eine religiöse Erhöhung vollzogen wird und andererseits den Kampfprozess gegen die bürgerliche Weltanschauung, die die Menschen in die hochkomplizierte Krise verstecken lässt. Elwardy lenkt in ihrem Aufsatz die Aufmerksamkeit auf die Relevanz der Werke von Ernst Toller, in denen gezeigt wird, wie dieser Kampf auf eine friedliche Art und Weise so geführt werden kann, dass die individuelle und die gesellschaftliche Wandlung allmählich und friedlich vollzogen werden kann.

Erich Unglaub (Professor an der Universität Carolo-Wihelmina zu Braunschweig – Deutschland) konzentriert sich in seinem Aufsatz auf einen anderen Aspekt der hochkomplizierten Krise zur Zeit der Moderne – nämlich auf den Aspekt der Armut. Er macht in seinem Aufsatz deutlich, wie diese so bekämpft werden kann, dass die Menschen sich innerlich zufrieden fühlen. Unglaub erläutert in seinem Aufsatz die Bedeutung der Armut aus der wirtschaftlichen, historisch philosophischen, und religiösen Perspektive. Überdies geht er in seinem Aufsatz auf die Gründe ein, die zur Verbreitung der Armut beitragen. Zu diesen Gründen zählt er Krankheit, Alter, Gebrechlichkeit, Arbeitsscheue, Trunksucht und Erwerbslosigkeit. Unglaub stellt in seinem Aufsatz nicht nur die Gründe zur Verbreitung der Armut, sondern auch ein literarisches Denkmodell zum Kampf gegen dieses Phänomen vor. Dieses Denkmodell, das in den literarischen Werken von Rainer Marie Rilke zu finden ist, drückt Unglaub in dem Titel seines Aufsatzes wie folgt aus: „Denn Armut ist ein großer Glanz aus Innen“. Diese Äußerung – wie in dem gesamten Aufsatz von Unglaub sichtbar – lenkt die Aufmerksamkeit auf die Rolle der Religion bei der Wandlung der Bedeutung der Armut zu einem großen Glanz aus Innen. Unglaub macht also klar, wie das Phänomen der Armut aus einer religiösen Perspektive bekämpft werden kann, so dass die Menschen sich zufrieden fühlen. Dieses Ergebnis, zu dem Unglaub durch eine textimmanente Analyse der literarischen Werke von Rainer Marie Rilke kommt, unterscheidet sich nicht von dem Ergebnis, zu dem Erwardy durch eine textimmanente Analyse der expressionistischen Werke kommt. Die Analyse der expressionistischen Dramen lässt Elwardy zu einem zusätzlichen Ergebnis kommen – nämlich dass der andauernde Kampf der Arbeiter gegen die Kapitalisten, der die Form eines Streikes annimmt, auch zur Überwindung dieser Krise führen kann.

Josef Bordat (Privatdozent in Spanien) befasst sich in seinem Aufsatz mit dem dritten Aspekt der Krise zur Zeit der Moderne, nämlich mit dem Aspekt des Krieges. Er macht in seinem Aufsatz deutlich, dass das Prinzip des „jetzt Krieg“, das die USA nach dem Mordanschlag am 11.9.2000 unterstützt, den Hauptgrund für die Verbreitung der Kriege zur Zeit der Globalisierung repräsentiert, die seiner Meinung nach mit dem Zerfall der Berliner Mauer und infolgedessen dem Zerfall der Sowjetunion beginnt. Bordat hebt es in seinem Aufsatz hervor, dass der Frieden zur Zeit der Globalisierung unter der Bedingung erhalten werden kann, dass die UN ihre Rolle beim Aufrechterhalten des Friedens spielt.

Anatol Michajlow (Dozent an Gdansk Universität – Polen).befasst sich in seinem Aufsatz  „Manchmal allein gegen Krieg – Angelika Schrobsdorffs literarisches Schaffen“ auch mit dem Thema des Krieges. Bei der Behandelung dieses Themas konzentriert er sich auf den palästinensisch-israelischen Konflikt. Er erläutert in seinem Aufsatz ausgehend von einer Analyse des literarischen Schaffens von Angelika Schrobsdorff die Gründe, die dazu beitragen, dass dieser Konflikt nicht endet. Diese Analyse lässt ihn zum Ergebnis kommen, dass „die fehlende Bereitschaft miteinander zu sprechen“ und „die negativen Bilder voneinander“ die Hauptgründe dieses Konfliktes repräsentieren. An anderen Gründen nennt er das Verhalten der Anführer des Konfliktes, die Misstrauen und Hass zwischen den beiden Völkern so schüren, dass Intoleranz, Fanatismus, Extremismus und Nationalismus über die Generationen erhalten werden. Einen weiteren Grund sieht er in den gleichgültigen Beobachtern, die das Grausame als etwas Akzeptables betrachten und die so einen ungeheuren Katastrophenkonsum haben. Einen noch weitere Ursache führt er auf die Kräfte zurück, die im Spiel sind und die aus dem Blutvergießen ihren eigenen Nutzen ziehen. Michajlow begnügt sich nicht nur damit, die Gründe dieses Konfliktes zu erläutern, sondern er geht auf das Denkmodell zur Überwindung dieses Konfliktes ein. Entsprechend diesem Denkmodell müssen die verfeindetenVölker den moralischen Anstand und Instinkt für Recht und Unrecht wiederaufbauen und entwickeln. Überdies sollen sie eine fremde Sprache, Religion und Kultur kennenzulernen, denn ohne dies muss jede Beziehung rudimentär und aufgepfropft bleiben – ohne Gegenwirkung der Vernunft, ohne aktive Abwehrposition der Menschen in allen Angelegenheiten der Friedenssicherung wird die Situation – und nicht allein in Palästina und Israel – immer schlechter und hoffnungsloser.

Abier Omar (Dozentin an der Ain Shams Universität, Ägypten) behandelt in ihrem Aufsatz „Zwei Denkmodelle aus der deutschen Literatur zur Bewältigung der Kriegskrise: Seghers’ „Das Siebte Kreuz“ und Koeppens „Der Tod in Rom“ ebenfalls das Thema des Krieges. Sie konzentriert sich bei der Behandlung dieses Themas einerseits auf die Darstellung der Flucht als Widerstandspotential gegen die Kriegesverbrecher anhand Seghers’ Roman „Das Siebte Kreuz“ und andererseits auf der Rolle der Liebe und das Durchführen eines harmonischen Lebens als potentielle Alternative für den Krieg und die Angst anhand Koeppens Roman „Der Tod in Rom“.

Die in diesem Beitrag dargestellten Denkmodelle zur Überwindung der hochkomplizierten Krise zur Zeit der Moderne repräsentieren nur Vorschläge, deren Tauglichkeit für die Bewältigung der Krise heutzutage im Rahmen der Wissensgesellschaft besprochen werden sollen. Dies gibt den Menschen in der Großstadt, die ein Symbol für die Moderne mit allen ihren Diskrepanzen ist, einen Hoffnungsschimmer für die Verbesserung der Zustände.


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 Inhalt | Table of Contents Nr. 18


For quotation purposes:
Rania Elwardy: Sektionsbericht Denkmodelle zur Bewältigung der modernen Krise –
In: TRANS. Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften. No. 18/2011.
WWW:http://www.inst.at/trans/18Nr/II-13/sektionsbericht_2-15.htm

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