Mittel und Möglichkeiten der integrierten Erziehung in der Leibeserziehung in den Kindergärten

Adrienn Balogh-Bakk [BIO] | Katalin Bíró-Ilics [BIO]
(Westungarische Universität, Sopron / Szombathely, Ungarn)
Email: Baloghne.Bakk.Adrienn@bepf.hu | ilicskati@mnsk.nyme.hu


Einleitung

Seitdem Ungarn im Mai 2004 der Europäische Union beigetreten ist, ist die Verringerung des Maßes der gesellschaftlichen Ausschlüsse eine hervorgehobene Aufgabe des Unterrichtswesens in den letzten Jahren. Ein besonderer Akzent wird auf die Integration in der ganzen Gesellschaft gelegt und auf das Prinzip, dass gesellschaftlich diskriminierte Gruppen oder Gruppen mit speziellen Bedürfnissen in der Gesellschaft nicht negativ diskriminiert oder irgendwie ausgeschlossen werden.

Heutzutage ist die größte Herausforderung in der pädagogischen bzw. in der kindergartenpädagogischen Arbeit die erfolgreiche Verwirklichung der Integration und Inklusion. In diesem Fall bedeutet die Integration die Erziehung von Kindern mit speziellen Bedürfnissen mit anderen Mehrheitskindern.

Unsere Forschung wurde von den Kindern mit speziellen Bedürfnissen auf die behinderten Kinder beschränkt. Ihre Zahl erhöht sich ständig. Eine der Ursachen ist die Tatsache, dass die Entwicklung der modernen Heilkunde das Überleben auch für solche Kinder ermöglicht, die in vorangegangenen Jahrhunderten früher gestorben wären. Diese Tatsache hat natürlich eine Auswirkung auf die Kindergärten.

Die gemeinsame Erziehung der Kinder ermöglicht, dass die behinderten Kinder und die Mehrheitskinder einander kennen lernen. Sie gewöhnen sich an das Zusammenleben unter natürlichen Umständen und sie können die Eigentümlichkeiten der anderen erleben. Sie erkennen, dass nicht die Unterschiede, sondern die Ähnlichkeiten das Akzeptieren und Liebe einem anderen Menschen gegenüber gestalten und stärken. Gleichzeitig bekommen sie die Möglichkeit der Zusammenarbeit, da es zwischen den behinderten Kindern und den Mehrheitskindern keine das Wesen der Menschen betreffenden Unterschiede gibt. Beide entwickeln sich nach eigenen Gesetzen, aber auf verschiedene Weise und mit einem anderem Tempo.

Der Vorteil der integrierten Erziehung ist, dass das Kind aus der bisherigen Gemeinschaft, in der es soweit lebte, nicht entnommen werden muss. Sie hilft die Diskriminierung und Stigmatisierung zu löschen und die Vorurteile aufzulösen. Sie verstärkt die Kreativität der Pädagogen und die Zusammenarbeit des Fachpersonals. Die angemessene Integration ermöglicht die Entwicklung und Leistungssteigerung der behinderten oder begabten Kinder und der Kinder mit allgemeinen Fähigkeiten.

Die kollektive Erziehung der Kinder muss schon in der ersten Phase der institutionellen Erziehung – also im Kindergarten – angefangen werden (Benczúr, 1997). Der Ausgangspunkt der Integration kann der Kindergarten sein, denn in dem Kindergartenalter trifft das Kind die Welt außerhalb der Familie, und in diesem Alter kann es die anderen Kinder am schnellsten annehmen.

Im Kindergarten angefangene integrierte Erziehung kann das Entwicklungstempo der behinderten Kinder beschleunigen, später in der Schule die Herausbildung der Lernprobleme vermindern und das Entstehen von Misserfolgen verhindern.

Das gesellschaftliche Zusammensein der Kinder befördert ihre Anpassungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kindergärtnerinnen offen für Andersartigkeit sind und sie nehmen die behinderten Kinder leichter an. Dessen natürliche Ursache ist, dass die kindergärtnerische Erziehung weniger leistungsorientiert ist. Die Programme ermöglichen größere Flexibilität und gemischte Gruppen sind häufiger, in denen die Unterschiede zwischen den Kindern auch wegen dem verschiedenen Alter noch verstärkter erscheinen.

 

Forschungsmethoden – Muster

Wir sind der Meinung, dass die veränderten gesellschaftlichen Bedürfnisse dem Unterrichtwesen gegenüber im dritten Jahrtausend die Analyse der neuen theoretischen und praktischen Bestrebungen benötigen, die zum Problemkreis der Integration gehören.

Im ersten Schritt unserer Forschung haben wir Kindergärtnerinnen über integrierte Erziehung mit Fragebögen befragt. Unter anderem wollten wir eine Antwort auf die folgenden Fragen bekommen:

  1. Wie wichtig finden sie die Aneignung der speziellen Behandlungsmethode der behinderten Kinder?
  2. Wie beurteilen sie die Möglichkeiten der Integration in den Kindergärten, wo sie arbeiten?
  3. Möchten sie die dazu gehörenden Methoden kennenlernen und sich aneignen?

Unsere Hypothesen

H1: Wir setzen voraus, dass – mit den burgenländischen Kindergärten verglichen – in den Kindergärten von Ödenburg/Sopron die Aufgaben der Integration anders gelöst werden.

H2: Wir setzen voraus, dass die Kindergärtnerinnen nur ein unvollständiges Wissen in der toleranten Pädagogie haben.

H3: Wir setzen voraus, dass im Wirksamkeitsindex erscheint, dass in der Grundausbildung die integrationsunterstützenden Materialen ungenügend betont werden.

H4: Wir setzen voraus, dass die burgenländischen Kindergärten die Integration wirksamer als die Ödenburger Kindergärten verwirklichen.

In der Gliederung nach Wohnorten haben wir acht westungarischen Kindergärten und sieben burgenländische Kindergärten als Beispiel besucht. Nachdem wir die Kindergärtnerinnen befragt hatten, verarbeiteten wir schließlich 78 evaluierbare Fragebögen.

Aufgrund der Ergebnisse konnten die folgenden Schlussfolgerungen erarbeitet werden
(1.-5. Abbildung):

  • Die ungarischen Kindergärtnerinnen sind nicht vorbereitet auf die Beschäftigung mit behinderten Kindern; ihre Kenntnisse sind unvollständiger als die Kenntnisse ihrer österreichischen Kollegen.
  • Die Kindergärtnerinnen von beiden Ländern halten die Hilfe von Fachleuten für nötig.
  • Am liebsten würden sie bewegungsbehinderte Kinder integrieren.
  • Sie benötigen Weiterbildung, Fachliteratur und Fachbücher; sie möchten die Methoden zum Thema kennenlernen und sich aneignen.

1. Abbildung

.

 

2. Abbildung

.

 3. Abbildung

.

4. Abbildung

.

5. Abbildung

.

Basierend auf den Ergebnissen der früheren Forschungen haben wir den Untersuchungsgegenstand noch weiter beschränkt und von den Arten der integrierten Kindergartenerziehung und Beschäftigungen haben wir nur die Leibeserziehung näher erforscht. Von der ganzen Gruppe der behinderten Kinder steht die Integration der bewegungsbehinderten Kinder im Vordergrund, denn sie würden von den Kindergärtnerinnen integriert.

Bewegungsbehindert sind die Kinder, in deren Bewegungsapparatsystem wegen einer angeborenen oder erworbenen Schädigung und/oder Funktionsstörung eine relevante und fortdauernde Behinderung besteht. Infolgedessen verändert sich die Erfahrungserwerb durch Bewegung und Sozialisation der Kinder. (Benczúr, 1997 – dt. Übersetzung von den Autorinnen.)

Die Gliederung der bewegungsbehinderten Kinder nach Krankheitsfall ( Benzúr, 1997)

  1. Gliedmaßenreduktive und entwicklungsbedingte Anomalien, erworbenes Fehlen von Gliedmaßen
  2. Schlaffe/lähmungserzeugende Krankheitsfälle
  3. Progressiver Muskelschwund
  4. Periphere Nervensystembeschädigung
  5. Bewegungsunregelmäßigkeiten wegen frühzeitiger Gehirnschädigung
  6. Bewegungsunregelmäßigkeiten von anderer Herkunft.

Zur Integration der bewegungsbehinderten Kinder gibt die Expertenkommission für Rehabilitation und Untersuchung von Lernfähigkeit sowohl eine ausführliche Beschreibung als auch Anhaltspunkte zur gemeinsamen Erziehung.

(Nur das Komitee kann feststellen, ob das Kind integrierbar ist, und mit der Angabe der Entwicklungsfelder kann es die Verwirklichung der speziellen Entwicklung und Behandlung konkretisieren.)

Einerseits, nach Möglichkeit muss in den Kindergärten barrierfreie Umgebung und der angemessene Frei- und Lebensraum (gemäß dem Zustand des Kindes) gewährleistet werden. Andererseits muss der Grundsatz der Erziehung auf Selbständigkeit vor Augen gehalten werden.

Die inhaltlichen Regelungen der Kindergartenerziehung können nach dem Nationalen Grundprogramm der Kindergartenerziehung erarbeitet werden. Natürliche Bewegungen und Übungen bilden die Leibeserziehung in den Kindergärten, welcher Schauplatz von den Kindergärtnerinnen ausgewählt wird (Kindergartenhof, Klassenraum oder Turnsaal). Der Inhalt der Körpererziehung (einmal oder zweimal 20 Minuten pro Woche) wird aufgrund des jährlichen Terminplans von den Kindergärtnerinnen geplant. Wir sind der Meinung, dass es sehr wichtig ist, dass die behinderten Kinder auch in diese Beschäftigungen einbezogen werden; sie sollten nicht passiv auf der Sitzbank den Ereignissen einfach zusehen.

Außerdem muss auch in Betracht gezogen werden, dass alle Kinder während der Bewegung Spaß und Erfolg haben. So wird ihr Selbstvertrauen wachsen und später werden sie sich für die Positionsveränderung selbst bewegen. Sie werden an der Entwicklung tätig mit Spaß teilnehmen.

Die bewegungsbehinderten Kinder (abhängig von ihren Zuständen) bekommen ein Beispiel über die richtige motorische Durchführung der Bewegungen, deren Nachahmung durch die Kinder ihnen selbst und den Erziehern eine starke Bestätigung ist, dass diese Kinder auch zu der Gemeinschaft gehören und ihr Selbstwertgefühl sich entwickelt. Die Mehrheitskinder sollen ihre bewegungsbehinderten Kameraden in die kollektiven Spiele mit einbeziehen und ihnen helfen.

In den nächsten Schritten haben wir solche Kindergärten untersucht, wo zur Zeit eine integrierte Erziehung (bzw. Leibeserziehung) läuft.

Forschungsmethoden

  1. Dokumentanalyse
  2. Beobachtung ohne Kodierung: Klassenbücher, Aufzeichnungen, Niederschriften
  3. Unstrukturierte Interviews, mündliche Befragungen.

Ergebnisse

Vor der Planung der erfolgreichen Leibeserziehungen muss sich die Kindergärtnerin über die bewegungsbehinderten Kinder klar sein:

  1. Ursache der Beschädigung, Diagnose, Symptome
  2. Die nötigsten Aufgaben
  3. Pathologische Bewegungsformen
  4. Angemessene Ausgangszustände
  5. Die richtige Anwendung der therapeutischen Hilfsmittel, die richtige Hilfeleistung.

Aufgaben

  1. Erziehung zum gesunden Leben
  2. Die Entwicklung der körperlichen Fähigkeiten: Kraft, Fertigkeiten, Schnelligkeit, Stehvermögen, Ausdauer
  3. Entwicklung der Bewegungskultur
  4. Unterstützung der körperlichen Entwicklung
  5. Befriedigung/Entwicklung der Bewegungsbedürfnisse.

Bei der individuellen Entwicklung eines bewegungsbehinderten Kindes wird von dem Somatopädagogen geholfen. Er macht Pläne und gibt Ratschläge für die Tätigkeiten in der Gruppe.

Das größte Problem ist, dass die durch Kommunikation weitergegebenen Informationen oft inkorrekt sind. Während der Ausführung der Übungen und Aufgaben ist die Kindergärtnerin oft unsicher. Der Experte ist nicht in jeden Moment da.

 

Schlussfolgerung

Die Erarbeitung eines Hilfsmaterials ist absolut notwendig, das den Stoff der Körpererziehung im Kindergarten in kleinere Einheiten gliedert; dabei müssen über die Aufgaben der Mehrheitskinder hinaus auch deren Durchführungsmöglichkeiten durch die bewegungsbehinderten Kinder angegeben werden. Natürlich, ist am wichtigsten das Grundprinzip zu betonen: nicht schaden!

Mit Hilfe von Experten (Bewegungspädagogen, HeilgymnastikerIn, KindergärtnerIn) ist die Erarbereitung des Materials im Gange.

 

Literatur:

  1. 1997/23 MKM. Rendelet (1997): Az Óvodai Nevelés Országos Alapprogramja. Bp.
  2. Az oktatási miniszter 2/2005. (III.1.) rendelete (2005): Sajátos nevelési igényű gyermekek óvodai nevelésének irányelve és a sajátos nevelési igényű tanulók iskolai oktatásának irányelve kiadásáról. Az Óvodai Nevelés Programja. Bp.,
  3. Benczúr, M.-né (1997): Mozgásfogyatékos gyermek az óvodában. Bp., Bárczi Gusztáv Gyógypedagógiai Tanárképző Főiskola.
  4. Benczúr, M-né (1991): Mozgáskorlátozottak integrált oktatásának helyzete egy felmérés tükrében. Gyógypedagógiai Szemle, 2. sz. 103–112.
  5. Benczúr, M-né (2000): Sérülés specifikus mozgásnevelés: mozgáskorlátozottak mozgásterápiája, adaptált testnevelése és mindennapos tevékenységre nevelés Bp. Bárczi Gusztáv Gyógypedagógiai Tanárképző Főiskola.
  6. László, I.-né (1992): Mozgáskorlátozott gyermekek integrált oktatása és nevelése. Iskolakultúra, 22.
  7. Madarász, N (2005): Óvodapedagógusok vélekedése az integrált nevelésről.  Fejlesztő Pedagógia, 2–3. sz.
  8. Perlusz, A (1995): Fogyatékos gyermekek integrált nevelése hazai kísérletek tükrében. ELTE BGGYTF, Bp., 71–79.
  9. Réthy, E-né (2002): A speciális szükségletű gyermekek nevelése, oktatása Európában. Az integráció és inklúzió elméleti és gyakorlati kérdései. In. Magyar Pedagógia, 3. sz. 281–300.

TRANS INST

 Inhalt | Table of Contents Nr. 18


For quotation purposes:
Mittel und Möglichkeiten der integrierten Erziehung in der Leibeserziehung in den Kindergärten –
In: TRANS. Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften. No. 18/2011.
WWW: http://www.inst.at/trans/18Nr/III-5/balogh-bakk_biro-ilics.htm

Webmeister: Gerald Mach     Update: 2011-07-12