Trans Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften 8. Nr. Juli 2000

INST-Buchreihen

Die Reihen Österreichische und internationale Literaturprozesse und Ost-, mittel- und südosteuropäische Literatur-, Theater- und Sprachwissenschaft werden vom INST herausgegeben. Ziel ist die transdisziplinäre und transnationale Darstellung von Literatur- und Kulturprozessen, die durch Diskussion und Zusammenarbeit von WissenschafterInnen verschiedener Disziplinen von allen Kontinenten erreicht wird.

Die Buchreihen des INST dokumentieren nicht nur Beiträge zu einer Reihe literatur- und kulturwissenschaftlicher Themen wie dem "Dialog der Kulturen", "Literaturbeziehungen" am Beispiel einzelner AutorInnen oder im Gefüge des Literaturprozesses, zur "österreichischen Literatur" als ein Beispiel für neue Möglichkeiten der Beschreibung einer Literaturgeschichte und zur "interkulturellen Erforschung von Literatur". Sie dokumentieren auch die Entwicklung eines Diskursprozesses zwischen Forschenden, die in verschiedenen Ländern leben und in unterschiedlichen Disziplinen tätig sind. Der Diskurs, die Diskussion zwischen ihnen setzt nicht nur Offenheit für eine Diversität von (wissenschaftlichem) Sprachgebrauch, Methoden und Annäherungsformen voraus. Der Wunsch nach produktivem Austausch von Ergebnissen und Ideen, die oft erst durch ihre Vernetzung und Anwendbarkeit für weiteren Erkenntnisfortschritt ihre Trag- und Reichweite zeigen, hat eine Reihe von WissenschafterInnen bei Konferenzen zusammengeführt und weitere Ideen, weitere Forschungen und Nachdenkprozesse gefördert, deren Ergebnisse sich nicht selten in den nachfolgenden Publikationen niederschlugen.

Dem Lesenden ermöglichen die seit 1995 erscheinenden Buchreihen des INST damit nicht nur, sich über Entwicklungen im literatur- und kulturwissenschaftlichen Bereich auf dem Laufenden zu halten, sie zeigen ihm auch eine aus Konferenzbänden und Werken einzelner AutorInnen, aus Überblicksdarstellungen, theoretischen und programmatischen Beiträgen und einzelnen AutorInnen gewidmeten Artikeln und Bänden bestehende Manifestation eines Prozesses des wissenschaftlichen Austausches, der sich über die Grenzen von Disziplinen und Ländern hinweg entwickelt.

Ständig aktualisierte Informationen zu den genannten Buchreihen, bibliographische Angaben und Detailinformationen zu den einzelnen Reihentiteln erhalten Sie im WWW unter http://www.inst.at/burei/.

 

Reihe Österreichische und internationale Literaturprozesse

Band 1, von Herbert Arlt herausgegeben aus Anlaß der Konferenz Kunst und internationale Verständigung (18.-20.9.1994, Schlaining/Österreich), beinhaltet neben Konferenzbeiträgen die Thesen zur Vorbereitung der Konferenz und erste Informationen zum "Institut zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse" , das als "Resultat" der Konferenz gegründet wurde, um eine Perspektive für die produktive Umsetzung der gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse zu eröffnen. Auf der Konferenz wurden von Leslie Bodi, Ulf Birbaumer, Knut Ove Arntzen, Kathleen Thorpe, Alexandr W. Belobratow u.a. geschichtliche und gegenwärtige Dimensionen des Themas ebenso dargestellt und diskutiert wie literarische Entwicklungen und das Wechselverhältnis zwischen Kunst, Medien, Staat, Wissenschaft und Distributionssystemen. Beispielhaft wurden dabei unter anderem Entwicklungen in Europa oder Südafrika behandelt; literarische Rezeptionsprozesse und Theaterkommunikation wurden als Beispiele für Verständigungsprozesse referiert. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der ÖUK und der ÖSFK.

Herbert Arlt / Kurt Krolop (Hrsg.): Grenzüberschreitungen, Gattungen, Literaturbeziehungen, Jura Soyfer, erschienen als Band 2 der Reihe, enthält Beiträge zur gleichnamigen Konferenz vom 14.-16.12.1993 in Prag. WissenschafterInnen verschiedener Nationen thematisieren neben dem literarischen und journalistischen Schaffen Soyfers sowie Gattungsbestimmungen und Inszenierungen unter anderem die Beziehungen zwischen Österreich und der CSR in den 30er Jahren, tschechische Theateraktivitäten zwischen 1939 und 1945 und das slowakische Kabarett.

BAND 3 wurde von Donald G. Daviau und Herbert Arlt herausgegeben. Geschichte der österreichischen Literatur ist der Titel des zweibändigen Werkes, das die Referate der Konferenz "Austrian Literary History" im April 1995 an der University of California at Riverside dokumentiert. 65 WissenschafterInnen aus 17 Ländern leisteten Beiträge zu den Themenschwerpunkten "Geschichte der Darstellung", "Forschungsstrukturen", "Kommunikationsstrukturen", "Interpretation von Texten", "Rezeptionsgeschichte" und "Datenmengen". Aufgrund des verstärkten internationalen Interesses an einer neuen österreichischen Literaturgeschichte war es das Ziel der Konferenz,

die unterschiedlichen Gedanken der WissenschafterInnen zu sammeln und damit den Prozeß der Entwicklungen einer Methodologie, der Etablierung von Richtlinien, der Sammlung von Daten zu beginnen und eine Bibliographie zu erarbeiten, die die Aufgabe hat, Forschungsarbeit zu objektivieren, zu unterstützen und weltweit den Bedürfnissen und Interessen der WissenschafterInnen entgegenzukommen.(1)

Beiträge zur gleichnamigen Tagung in Florenz am 14./15.12.1994 sind in dem von Herbert Arlt und Fabrizio Cambi herausgegebenen Band 4 der Reihe, Lachen und Jura Soyfer, versammelt. Das politische Umfeld der 30er Jahre in Österreich wird in diesem Band ebenso behandelt wie Komik und Zeitgeschichte. Darstellungen von Individuum und Massengesellschaft, Komik, Humor und Elementen des Grotesken und Absurden im Werk Soyfers, der Bild-Wort-Satiren des "Kuckuck", von Kabarettprogrammen und Radiosendungen zeigen die Wechselwirkungen zwischen Denksystemen, Menschen, literarischen Werken und Kommunikationsstrukturen auf und spüren den Funktionen und Wirkungen des Lachens im Zusammenhang mit Machtstrukturen sowie der Massen- und Theaterkommunikation nach.

Österreichische Literatur: "Strukturen", Transformationen, Widerspruchsfelder ist der Titel des von Herbert Arlt verfaßten 5. Bandes. Österreichische Literatur und ihre Darstellungen vom 18. bis zum 20 Jahrhundert werden mit dem Ziel thematisiert, auf der Basis einer neuen Sichtweise auf österreichische Literatur im Kontext weltweiter kultureller Prozesse eine neue Darstellung ihrer Geschichte zu ermöglichen. Neben Überlegungen zur "Wissensorganisation" und zu "Literaturprozessen" sind "Studien zu AutorInnen und Werkaspekten" (Karl Kraus, Jura Soyfer, Theodor Kramer, Elias Canetti, Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard u.a.) enthalten. Ein Ausblick auf "Forschungsperspektiven" zeigt Desiderate und mögliche neue Annäherungsformen an den Gegenstand auf.

Band 6 der Reihe erschien aus Anlaß des INST-Jubliäums. Unter dem Titel Kulturwissenschaft - transdisziplinär, transnational, online. Zu 5 Jahren INST-Arbeit und Perspektiven kulturwissenschaftlicher Forschungen werden die Rahmenbedingungen kulturwissenschaftlicher Forschung diskutiert und Zentralbegriffe wie "Kulturprozesse", "Das Verbindende der Kulturen", "Forschungsstrukturen", "Polylog" und "Transdisziplinarität" vorgestellt. Eine umfangreiche Dokumentation der INST-Aktivitäten beschreibt den Aufbau einer transnationalen und transdisziplinären Zusammenarbeit und die Funktion des Internet in diesem Zusammenhang.

Jura Soyfer (1912-1939) zum Gedenken ist der von Herbert Arlt und Klaus Manger herausgegebene Band 7 gewidmet. Anlaß waren die Veranstaltungen, die vom 15.-17.2.1996 in Wien, Weimar und Buchenwald stattfanden, in deren Zentrum das Bemühen stand, eines Menschen und Schriftstellers öffentlich zu gedenken und dabei den Terror im KZ mitzubedenken. Dokumentiert sind Beiträge zu den Themenschwerpunkten "Intellektualität unter KZ-Terror", "Jura Soyfer und die Literatur seiner Zeit", "Literatur aus dem KZ, über das KZ" sowie Podiumsdiskussionen, Zeitzeugenberichte und ein Schulprojekt. Eine Bibliographie zu Jura Soyfer und zum KZ Buchenwald umreißt den Stand der Forschung.

Alessandra Schininàs Studie "Ich wäre tot, lebt' ich mit dieser Welt." Franz Grillparzer in seinen Tagebüchern ist ein wichtiger Beitrag zu einer Definition von Identität, die nicht als Abgrenzung, sondern als konstruktive Basis für ein Miteinander von Völkern und Kulturen verstanden wird. Sie zeichnet sich durch philologische und disziplinübergreifende Methoden ebenso aus wie durch die Genauigkeit, mit der die Autorin versucht, sich der Daten und Texte zu versichern.

Auf der Suche nach Kakanien sind Krzsyztof Lipinskis "Literarische Streifzüge durch eine versunkene Welt" übertitelt.

Das Konzept Mitteleuropa als eine geistig-kulturelle Landschaft, als Gemeinschaft und Voraussetzung für die Entstehung unverwechselbarer geistiger Strömungen, als Nährboden für mythenbildende Literatur, den habsburgischen Mythos eingeschlossen(2),

bildet den Hintergrund und Ausgangspunkt für literarische Analysen. Von der "Literatur und Kultur Galiziens" bis zur "Grenzlandschaft Banat" führen die "Streifzüge", die u.a. Werke von Georg Trakl, Joseph Roth, Heimito von Doderer und Alexander Lernet-Holenia zum Gegenstand haben.

Dramaturgische und politische Strategien im Drama und Theater des 20. Jahrhunderts zeigt der u.a. von Knut Ove Arntzen herausgegebene Band 10 der Reihe auf. Die Themenschwerpunkte sind "Dramatische Strukturen" und "Das politische Drama und Theater". Die deutsch- und englischsprachigen Beiträge sind u.a. feministischen Tendenzen, dem Agitationstheater, dem dokumentarischen Drama, dem politischen Drama und Internationalisierungen gewidmet. Exemplarisch behandelt werden Werke von Theaterschaffenden von Norwegen bis Südafrika.

Die Beiträge zur Konferenz in St. Petersburg, die unter dem Titel Interkulturelle Erforschung der österreichischen Literatur vom 15.-19.9.1996 LiteraturwissenschafterInnen und BibliothekarInnen, ArchivarInnen und DokumentarInnen u.a. aus Österreich, Deutschland, Italien, Russland, Indien, Südafrika und den USA zusammenführte, behandeln die Wechselbeziehungen zwischen Informationssystemen und Kulturwissenschaften. Fragen der Inhaltserschließung und Datenbanken werden ebenso diskutiert wie inter- und intratextuelle Beziehungen und die Rezeption der österreichischen Literatur weltweit. Um auf die Desiderate vernetzter Forschung und die Bedeutung kulturwissenschaftlichen Arbeitens hinzuweisen wurde im Rahmen der Konferenz ein "Internationales Memorandum zur Förderung der Kulturwissenschaften" verabschiedet, das auf den WWW-Seiten des INST abrufbar ist.

WissenschafterInnen aus 20 Ländern nahmen an der Konferenz Dramatik, "global towns", Jura Soyfer, die im Dezember 1997 in Wien stattfand, teil. Die Beiträge des von Herbert Arlt herausgegebenen Bandes 11 der Reihe umfassen eine theoretische Bestandsaufnahme historischer und gegenwärtiger Entwicklungen, Vergleiche von Dramatik und Theater in verschiedenen Städten unter unterschiedlichen Blickwinkeln, eine Prüfung der Terminologie und die Herausarbeitung einiger zentraler Aspekte.

Der Diskursprozess wird im Rahmen der Zeitschrift TRANS, die Beiträge zu transdisziplinären Schwerpunktthemen enthält, ebenso fortgesetzt wie durch Online-Forschungskooperationen und im Rahmen der Reihe Österreichische und internationale Literaturprozesse, in der in den kommenden beiden Jahren im Rahmen von Aufsatzsammlungen und Einzeldarstellungen insbesondere internationale kulturwissenschaftliche Forschungen und ihre Perspektiven und die weltweite Erforschung österreichischer Literatur dokumentiert werden soll.

 

Reihe Ost-, mittel- und südosteuropäische Literatur-, Theater- und Sprachwissenschaft

Während sich die Kulturprozesse vor allem seit dem 19. Jahrhundert mehr und mehr internationalisierten, steckten sich geisteswissenschaftliche Forschungen oft enge Grenzen. Die Reihe " Ost-, mittel- und südosteuropäische Literatur-, Theater- und Sprachwissenschaft" soll zu einer transdisziplinären Überschreitung dieser Grenzen anregen. Gerade durch Übersetzungen und Publikationen von bisher auch aus sprachlichen Gründen unzugänglichen kulturwissenschaftlichen Werken sowie wissenschaftsgeschichtlichen Arbeiten.

Der erste Band der Reihe, Zur Geschichte der Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Polen bringt zwei wissenschaftsgeschichtlich wichtige Beiträge in der Übersetzung von Krzysztof Lipinski dem deutschsprachigen Publikum näher: Adam Kleczkowskis "Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Polen" (Krakau, 1948) und Olga Dobijanka-Witczakowas "Die Geschichte des Lehrstuhls für Germanistik an der Jagiellonen Universität" (Krakau, 1964).

Das 1902 in Prag in tschechischer Sprache erschienene Werk von Arnost Kraus, Alte Geschichte Böhmens in der deutschen Literatur, das der Übersetzung von Eva Berglovà und Carmen Sippl zugrunde liegt, stellt Geschichte und Literatur nicht nach nationalen Gesichtspunkten zusammen. Der Autor wählt "Sagen sowie die böhmische und mährische Geschichte von den ältesten Zeiten bis hin zur Schlacht auf dem Marchfeld" der "in deutscher Sprache geschriebenen Belletristik" für seine Darstellung.(3) Das Werk stellt damit eine (disziplinäre) Grenzüberschreitung dar, die es wiederzuentdecken gilt.

In der Tradition der deutschen neuromantischen Literaturwissenschaft der Jahrhundertwende steht das erstmals 1913 in St. Petersburg erschienene Werk Viktor Zirmunskijs (1891-1971) Deutsche Romantik und moderne Mystik, das von Alexandr W. Belobratow, Alexej Zerebin und Herbert Arlt als Band 3 der Reihe herausgegeben wurde. Durch die kulturelle Selbstreferenz des russischen Germanisten und seine referenziellen Bezüge zur russischen und zur Weltliteratur wird auch die deutsche Literatur als Teil eines weltliterarischen Prozesses erfaßt - ein erster Ansatz zu einer interkulturellen Germanistik. Übersetzung: Irina S. Alexejeva, Alexandr W. Belobratow und Alexej I. Zerebin.

Inhaltsverzeichnisse und Bestellinformationen zu den genannten Reihentiteln sowie ständig aktualisierte Informationen zu den beiden Buchreihen erhalten Sie im WWW unter http://www.inst.at/burei/.

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Anmerkungen:

(1) Vorwort. In: Donald G. Daviau / Herbert Arlt (Hg.): Geschichte der österreichischen Literatur. Teil 1. St. Ingbert: Röhrig, 1996. (=Österreichische und internationale Literaturprozesse, Bd.3) S.11.

(2) Krzsyztof Lipinski: Auf der Suche nach Kakanien. Literarische Streifzüge durch eine versunkene Welt. St. Ingbert: Röhrig, 2000. (=Österreichische und internationale Literaturprozesse, Bd.9). S. 7.

(3) Nachwort. In: Arnost Kraus: Alte Geschichte Böhmens in der deutschen Literatur. St. Ingbert: Röhrig, 1999. (=Ost-, mittel-, und südosteuropäische Literatur-, Theater- und Sprachwissenschaft, Bd. 2) S. 416.


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